Nachgehakt: Was erwarten Fintech-Gurus nach einem schwierigen, aber boomenden Jahr 2020?

Von Marcy Campbell, General Manager  & Vice President von Nordamerika, Australien Vertrieb & Global Sales Operations und Frank Keller, Vice President of Sales, Europa bei PayPal

Jedes Jahr treffen sich die klügsten Köpfe der Fintech-Branche, um Entwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren und Partnerschaften zu schließen, die diese Pläne und Visionen in Gang setzen. Bisher fand dieser Austausch auf der Money20/20 Asien, Europa und USA in einem belebten Konferenzsaal statt. In diesem Jahr musste die Branchenveranstaltung nun digital stattfinden: MoneyFest war der Rahmen für eine Vielzahl von kuratierten Gesprächen unter über 100 Branchen-Insidern zu den aktuellsten Themen.

Gemeinsam mit Sanjib Kalita, Chefredakteur von Money20/20, und der Fintech-Reporterin Tanaya Macheel haben wir uns angeschaut, welche neuen Entwicklungen sich im Handel  abzeichnen. Lesen Sie hier, was die Branche in Zukunft erwarten kann.

Zahlungsmethoden – ein Blick in die Kristallkugel

Die Online-Veranstaltungen von Money20/20 griffen die besondere Entwicklung der Branche in diesem Jahr auf und gaben zudem einen Ausblick auf das, was noch kommen wird. Insbesondere die englischsprachige Diskussionsrunde „Warum jede Zentralbank in einem Jahr ihre eigene digitale Währung haben wird“ fand besonderen Anklang. Sie befasste sich mit der unvermeidlichen Umstellung auf digitale Währungsformen, die eine Effizienzsteigerung sowie größere Geschwindigkeit und Widerstandsfähigkeit des Zahlungssystems mit sich bringen könnte. Und – nicht minder wichtig – Regierungen dazu befähigt, Gelder schnell an die Bürger auszuzahlen. 

Diese neuen Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten bieten nicht nur Chancen, sondern bringen auch neue Herausforderungen für Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger mit sich, die zur Aufgabe haben die Sicherheit von Finanzdienstleistungen zu gewährleisten. Doch insbesondere in Europa hat die politische und regulatorische Agenda bereits einen weiten Weg zurückgelegt, um neue Rahmenbedingungen zu schaffen und so Innovation und Wachstum fördern.

Als wichtigste Voraussetzung wurde in den Diskussionen betont, dass eine neue finanztechnische Lösung nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie konkrete Nutzer- und Kundenprobleme löst. Seien es schnellere Zahlungen, die kleinen Unternehmen zur Verfügung stehen, damit sie besseren Zugang zum Cash Flow erhalten oder komplett kontaktlose Lösungen, sodass Verbraucher in Geschäften einkaufen können, ohne beispielsweise einen PIN eingeben zu müssen. 

Eine Branche, die Geschlechtervielfalt anspricht

In einer historisch gesehen von Männern dominierten Branche lag bei der diesjährigen Onlinekonferenz ein besonderes Augenmerk auf den weiblichen Führungskräften, die die Geschicke von morgen lenken. In ihrem Vortrag "Erfüllung der Anforderungen in einem neuen digitalen Zeitalter, aus C-Level Perspektive " sprach Chief of Operations und Chief Technology Officer der Bank of America (BOA), Cathy Bessant über ihre Erfahrungen. Dabei ging es nicht nur um die zehnjährige Transformation, welche die BOA vollzog, um ihr Geschäft zu vereinfachen und zu modernisieren. Sie berichtete auch darüber, dass die Bank ihren Schwerpunkt auf die Förderung von Frauen in der Arbeitswelt lege. So gab es bereits bemerkenswerte Fortschritte: Laut Bessant wurden im ersten Halbjahr 26 Prozent der Patente an Mitarbeiterinnen der Bank vergeben. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt in den USA liege hingegen bei gerade einmal 13 Prozent.

Ein weiterer kraftvoller Vortrag unterstrich den Gleichstellungsgedanken. Bei der Podiumsdiskussion „Wie man sich mit männlichen Verbündeten zusammenschließen kann, um eine weibliche Zukunft in Fintechs zu schaffen" teilten die Rednerinnen die düstere Bilanz des letzten Jahres: Laut einem Bericht von McKinsey liegt der Anteil von Frauen bei den Positionen auf C-Level im Finanzbereich lediglich bei 19 Prozent. Aktuelle Daten von McKinsey aus diesem Sommer zeigten, dass sich diese Zahl durch die Pandemie sogar verschlechtert hat. Aber es gibt Hoffnung. 

Die Podiumsteilnehmerinnen gaben drei wichtige Tipps, wie Frauen durch diesen Nebel navigieren und die Führung übernehmen können: Konzentrieren Sie sich auf bestehende Netzwerke und Beziehungen, nutzen Sie die bestehende Infrastruktur und schauen Sie über den Tellerrand Ihrer Organisation hinaus. Die strategisch wichtigsten Verbündeten finden sich oft an ungewöhnlichen Stellen.

Von Science-Fiction zur Realität die Macht der Technik

Die Finanztechnologiebranche hat einige faszinierende technologische Innovationen vorgeführt, doch einer der wichtigsten Aspekte bei der Umsetzung dieser Innovationen für die Kunden ist, dass sie auch in großem Maßstab funktionieren. Wie können diese Dienstleistungen gleichermaßen mit Bequemlichkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit im großen Stil angeboten werden?

Der Vortrag „Innenansichten: Die neuesten Fintech-Entwicklungen in China", unterstrich die Ansicht, dass die erfolgreiche Erfüllung der enormen Nachfrage nach digitalen Zahlungen kein Wunder sei. Über Jahre hinweg wurde die Infrastruktur für mobile Zahlungen aufgebaut und getestet, um eine konsistente Funktionalität und Sicherheit zu gewährleisten.

Da wir uns der Vorweihnachtszeit nähern, ist es für die meisten in der Branche oberste Priorität, dass die Infrastruktur mit dem Volumenwachstum Schritt halten kann.

Diese Herausforderung wird uns auch in den kommenden Jahren begleiten und sie zwingt uns, nach besseren Lösungen zu suchen. So diskutierten verschiedene Vortragende auf der Money20/20 darüber, wie die Authentifizierung effizienter gestaltet werden kann – zum Beispiel durch biometrische Lösungen – ohne dass dies auf Kosten der Sicherheit geht. Solche Lösungen existieren bereits, aber die Fragen nach Umfang sowie Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit sind teilweise noch offen. Zudem müssen politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden noch überzeugt werden. 

Was kommt also als nächstes in einer Zeit, in der mobile Zahlungen und digitaler Handel so relevant sind wie nie zuvor? Der Vortrag „Die größten Chancen im Finanzbereich nach der Pandemie - und wie man sie nutzen kann" brachte es auf den Punkt: Ein großer Wandel liegt im Bildungs- und Gesundheitswesen. EdTech und digitale Gesundheit sind die nächsten Bereiche, in denen der Status quo in Frage gestellt wird, damit die Menschen, die keinen Zugang zu guter Bildung und Gesundheitsversorgung haben, diesen endlich bekommen.

Niemand weiß heute bereits, wie das Jahr 2021 aussehen wird und in welcher Form wir das nächste Mal bei der Money20/20 aufeinandertreffen. Aber wir sind sicher, die Finanztechnologiebranche träumt weiterhin groß.

Neugierig auf mehr?
Sie finden Daily Wrap Up-Interviews mit Marcy Campbell und Frank Keller auf der Money20/20-Website. Diese täglichen 10-minütigen Interviews verdichten mehr als vier Stunden der globalen Inhalte der MoneyFest zu den Schlüsselbotschaften und bringen die Highlights des Tages auf den Punkt. 

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